EU-Förderprojekt Nextrust: 30 Tonnen weniger CO2-Emissionen möglich

Das Ziel des EU-Förderprojekts Nextrust ist es, die Umwelt durch nachhaltige Beförderungsmethoden zu entlasten.

08.08.2018 Ralf Lanzinger

Die Idee dahinter: vertikale und kartellrechtskonforme horizontale Kooperationsnetzwerke zwischen Verladern, Händlern und Spediteuren. Wie das funktioniert und wie Einsparpotentiale für Umwelt und Kosten gehoben werden können, zeigen derzeit rund 40 Pilotprojekte in vier Kategorien.

GS1 Germany holte Chep und Pooling Partners als weitere Akteure dazu und stellte sich mit seinen Partnern – dm-drogerie markt, Edeka, Henkel, Mars und Rigterink – die Frage: Wie können Leerfahrten bei der Anlieferung sowie Abholung leerer Paletten vermieden werden? Die Betrachtung der Ist-Situation zeigte, dass keine terminliche Koordination zwischen der Abholung von Leergut und der Lieferung von Waren stattfindet: Der Poolingprovider liefert leere Ladungsträger zum Verlader. Nach Übergabe fährt der Lkw leer zur nächsten Abholung. Nachdem der Spediteur die Ware beim Händler abgeladen hat, fährt er leer zum nächsten Kunden. Anbieter von Pooling-Diensten holen leere Paletten von den Distributionszentren des Einzelhandels ab. Dafür fahren sie leer zur Laderampe. Laden die Lkw die Ladungsträger anschließend lediglich ab, fahren sie anschließend leer weiter.

Die Folge: Leerfahrten über Leerfahrten, die unnötig Treibhausgase verursachen, Ladekapazitäten verschwenden und die Straßen belasten. Schaut man sich jedoch die vielen Transportwege an, stellt man entgegengesetzte Richtungen fest – beste Voraussetzungen für einen Roundtrip.

30 Tonnen weniger Treibhausgase

Mit der Kombination von Güter- und Leergutprozessen sowie der Kooperation von Herstellern, Händlern, Spediteuren und Dienstleistern für das Pooling von Ladungsträgern können Synergien gehoben werden. Voraussetzung dafür ist ein einwandfreies Kooperations-Set-up und ein gemeinsames Verständnis. Hier greift der Kern des Nextrust- Geschäftsmodells. Die neutralen Treuhänder, sogenannte Trustee, die für die Projektpartner gesetzeskonforme und kartellrechtlich einwandfreie Rahmenbedingungen schaffen.

Gemeinsam mit Rechtsberatern stehen die Trustee im Zentrum des Geschehens und eruieren, welche Informationen wirtschaftlich sensibel sind und nicht zwischen den Partnern ausgetauscht werden sollten – oder welche unkritisch sind und von den Partnern kommuniziert werden können. In dem sechs Wochen dauernden Piloten übernahm GS1 Germany diese Rolle und stellte kartellrechtliche Compliance sicher, analysierte die Daten der Transporte aller Partner und koordinierte den Informationsfluss zwischen den beteiligten Unternehmen.

Senkung der Verwaltungskosten

Nach Pilotabschluss zeigten sich die Partner zufrieden ob der große Potenziale. Das sind zum Beispiel eine bessere Auslastung der Transportkapazitäten, eine Reduktion der Laderampenkontakte bei Händlern und Lagern, eine langfristige Senkung der Verwaltungskosten sowie Vorteile durch Bündelung in der Beschaffung. Last but not least könnten 25 Prozent der Leerfahrten und damit etwa 30 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart werden. Der Kalkulation liegen 130.000 durchschnittlich gefahrene Kilometer je Lkw bei durchschnittlichen Tourenlängen von 300 Kilometern, ein Benzinverbrauch von 30 Litern je 100 Kilometer und eine Treibhausgasemission von 95 Kilogramm je 100 Kilometer zugrunde. Die Berechnung der Treibhausgasreduktion erfolgte gemäß EN 16258 Norm.