Amazon überrollt mit 20.000 Lieferfahrzeugen die Paketdienste

Amazon macht Ernst: Der Aufbau der Fahrzeugflotte für Amazon Logistics geht voran. Mit 20.000 Mercedes-Sprintern gehen bald hunderte Subunternehmer in den USA auf die Straße und machen den Paketdiensten Konkurrenz. Denn die schaffen laut Amazon die Zustellung nicht mehr. Die Geschwindigkeit, die Amazon hier an den Tag legt, ist bedrohlich für die Paketdienste.

Amazon bestellt 20.000 Mercedes Sprinter für seine Lieferflotte

Im Rahmen der Neueröffnung eines Fertigungswerks in North Charleston, South Carolina,  kündigte Mercedes an, dass Amazon seine ursprüngliche Bestellung auf insgesamt 20.000 Sprinter aufgestockt hätte. Die ersten Sprinter, die in dem US-Werk vom Band rollen, gehen an Amazon.

In Deutschland hat Amazon für seine Logistik-Standorte in Bochum und Düsseldorf kürzlich 100 Evitos erworben, die Elektrovariante des Kleintransporters Mercedes Vito. In Bochum arbeiten Amazon und Mercedes zusätzlich an einem Flottenmanagement-Projekt für die Elektroautos. Neben Ladestationen und der Parkplatzverwaltung, wird dort auch an der elektronischen Überwachung des Fahrzeugstatus gearbeitet.

Amazon Logistics schafft Grundlagen für sein Liefer-Startup-Programm

Die Lieferfahrzeuge kauft Amazon nicht direkt, denn die bestellte Flotte ist für das neue Liefer-Startup-Programm des Konzerns gedacht. Amazon will seinen Logistik-Zweig durch die gezielte Förderung von kleinen Logistikunternehmen ausbauen. Laut Daimler Nordamerika soll die Anzahl der Anmeldungen für Amazons Förderprogramm so hoch gewesen sein, dass Amazon seine erste Bestellung aufstocken musste.

Das Förderprogramm von Amazon soll ein Paket von Dienstleistungen, Tools und vergünstigten Arbeitsmitteln, darunter Amazon-gebrandete Lieferfahrzeuge, Uniformen, Benzin, Versicherungen und vieles mehr enthalten.

Wie viele Unternehmer jetzt zusammen mit Amazon ein Logistikunternehmen gründen wollen, ist nicht bekannt. Finanzen.net rechnet auf Basis der bei Amazon maximal finanzierbaren 40 Transporter aus, dass ein Minimum von 500 Unternehmern eingestiegen sein muss. Die Dunkelziffer ist bedeutend höher, da viele Unternehmer nicht mit dem Maximum einsteigen werden. Das entspräche auch nicht Amazons typischer Vorgehensweise. Eher wahrscheinlich ist eine mittlere bis hohe vierstellige Anzahl an Unternehmern, die nach Einrichtung der Infrastruktur und den ersten Probeläufen dann im Laufe der Zeit mit weiteren Fahrzeugen hochskalieren.

Amazon Logistics wird langsam gefährlich für die Paketdienste

Die Dimensionen zeigen die Ernsthaftigkeit, mit der Amazon an den Ausbau seines Logistik-Zweiges Amazon Logistics geht. Der US-Konzern erzeugt laut Finanzen.net 40 Prozent der Zustellungen in den USA und ist der Meinung, dass die Paketdienste dem Wachstum nicht mehr gewachsen sind. Die einzige Antwort darauf ist eine typische Amazon-Antwort: Selbstmachen.

Rund 200.000 Fahrzeuge hat die US-Postbehörde USPS in den USA im Einsatz, immerhin zehn Prozent dieser Menge will Amazon mit eigenen Fahrzeugen in diesem Jahr auf die Straße bringen. Amazon wird seine Flottenexpansion so einplanen, dass sie mit dem Wachstum seiner Handelssparte gleichzieht.

Würde Amazon in Deutschland ähnliche Maßstäbe anlegen, würde die Deutsche Post mit weltweit rund 90.000 Lieferfahrzeugen ein wesentlich größeres Volumen verlieren. Tatsächlich ist aus vielen Zustellgebieten, deren letzte Meile von Amazon Logistics aus einem nahe gelegenen Logistikzentrum bedient werden kann, zu hören, dass in den letzten Monaten überwiegend von Amazon Logistics angeliefert wurde. Der Anteil der Paketdienste schrumpft dort jetzt schon enorm.

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